|
15.09.1999, © Enno Park
Bereits seit einer Woche läuft der letzte Film vom
Stanley Kubrik, der sich mit Werken wie "2001 - Odyssee im Weltraum",
"Shining", "Uhrwerk Orange" oder "Full Metal Jacket" in die
Reihe der ganz großen Regisseure gestellt hat. Kubrik ist schon lange als Pedant bekannt,
und so haben die Dreharbeiten auch geschlagene 3 Jahre gedauert, in denen wir von den
Hauptdarstellern Tom Cruise und Nicole Kidman nichts gehört haben.
Grundlage für den
Film war Arthur Schnitzlers Buch "Traumnovelle". Der Arzt William Harford (Tom
Cruise) und seine Frau Alice (Nicole Kidman) führen eine normale Ehe, bis Alice ihre
geheimen sexuellen Wünsche gesteht. Was folgt ist eine sexuelle Odyssee durch New York,
bei der es kaum noch Moral oder Tabus zu geben scheint.
In den USA sorgte der Film für einen großen Skandal, natürlich weil es sich
überwiegend um ein sexuelles Thema dreht. So wurden eigens für die amerikanische Fassung
einige Szenen digial "entschärft". Für europäische Verhältnisse ist der Film
jedoch alles andere als skandalös, sondern vielmehr ein brilliante Psycho-Studie, wie wir
sie von Kubrik in vielen Variantionen gewöhnt sind, ein Blick in die Abgründe, die sich
auftun, wenn der Mensch aus seiner gewohnten Lebensweise herausgerissen wird.
Stanley Kubrick starb am 7.3.1999 bei der Fertigstellung des Filmes. Schon deshalb ist
"Eyes wide shut" ein Muss für jeden Cineasten. Anhänger des Action- und
Popkorn-Kinos werden wohl weniger ihre Freude daran haben.
|