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Durchgemacht: OSCAR VERLEIHUNG 2001

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26.03.2001, © Enno Park


Titanic und Tarrantino, Matrix und American Beauty, das war gestern. Die 90er und ihre Höhenflüge des Kinos sind vorbei, und Hollywood verschleiert seine Katerstimmung mit der Ehrung mittelmäßiger Filme. Doch tatsächlich war gerade deswegen die 73. Oscar-Verleihung besonders spannend. Ist halt wie beim Fußball, da kann man auch erst so richtig mitfiebern, wenn Deutschland wieder besonders mies spielt und was auf dem Spiel steht. 

 

Die Überraschung ist natürlich keine: Hollywood kürt "Gladiator" zum besten Film, das haben alle erwartet. Erstaunlich hingegen, dass sich der Film mit "Traffic" und "Tiger & Dragon" ein knappes Rennen lieferte. Ständig lagen diese Filme Kopf an Kopf, was die Anzahl der verliehenen Statuetten betrifft. Alle erhielten 4 Oscars bis das Produzententeam von "Gladiator" den fünften in der Königsdisziplin in Empfang nehmen durfte. Die anderen vier Oscars erhielt "Gladiator" für für den besten Hauptdarsteller (durchaus verdientermaßen: Russel Crowe), die besten Spezialeffekte, die besten Kostüme und den besten Sound. Russel Crowe jedenfalls stiegen glaubhafte Tränen in die Augen. 

 

Schärfster Konkurrent, Ang Lees "Tiger & Dragon" war glücklicherweise eine taiwanisch-amerikanische Ko-Produktion, sodass dem Oscar für den besten nicht-englischsprachigen Film nichts mehr im Wege stand. Ansonsten wurde der Film für seine Dekoration, die Kamera und die Filmmusik ausgezeichnet. 

Gleichauf lag "Traffic", für den Steven Soderbergh die beste Regiearbeit zuerkannt wurde. Interessanterweise war er gleich zweimal als bester Regisseur nominiert, und zwar noch für "Erin Brockovich". Ridley Scott, der bei "Gladiator" Regie geführt hatte, muss wohl wirklich mit diesem Oscar gerechnet haben. Jedenfalls legte er gegen Ende der Show eine ziemlich miese Laune an den Tag, während alles andere jubelte. Die anderen 3 Oscars erhielt "Traffic" für den besten Nebendarsteller (Benicio Del Toro, derzeit mit "Snatch" in den Kinos zu sehen), den besten Schnitt und der besten Drehbuchadaption einer Buchvorlage. Beurteilen lässt sich aber leider noch gar nichts, denn "Traffic" startet erst am 5. April in den deutschen Kinos. 

 

Kommen wir zu der alljährlichen Abteilung von Oscars, über deren Vergabe man sich richtig ärgern kann. Das wäre zum einen der Oscar für den besten Song, eine Vergabe, die meiner Meinung nach sowieso restlos aus der Oscarverleihung gestrichen werden sollte, weil erstens die eigentliche Filmmusik sowieso interessanter ist, zweitens zumeist ein Song von Elton John für den neuesten Disney-Film gewinnt (oder so... grins) und drittens vor allem in fast jedem Jahr die Vorstellung der Songs zu einer Parade übelster Weichspüler- und Mainstream-Balladen verkommt. Überraschend ist, dass ausgerechnet Bob Dylan den Oscar für seinen Song "Things have changed" für den Film "Wonder Boys" erhielt. Ärgerlich ist es aber, weil es vermutlich einer der schlechtesten Songs ist, die Mr. Dylan jemals geschrieben hat, und weil das wundervolle Stück "I've seen it all" von Björk einfach nur um Klassen besser ist. Ganz zu schweigen von der Schande, dass ihr Film "Dancer in the Dark" in keiner anderen Sparte nominiert wurde. Hollywood halt. 

 

Ärgern kann ich mich persönlich aber auch darüber, dass Julia Roberts den Oscar für die beste Hauptdarstellerin in "Erin Brockovich" erhielt. Und das gegen die wirklich überrangenden Darstellungskünste von Ellen Burstyn in "Requiem for a dream" und Juliette Binoche in "Chocolat", um gar nicht erst von der nicht nominierten Björk in "Dancer in the Dark" zu reden. Andererseits ist die Vergabe auch wieder verständlich. Denn in den USA geht nunmal nichts über Leistung, und wenn eine wenig talentierte Schauspielerin noch ziemlich passabel spielt, ist das wohl eine größere Leistung, als wenn eine Könnerin das Publikum schlichtweg verzaubert... 

Auf Platz 3 in der diesjährigen Rangliste ärgerlicher Oscarvergaben war ganz klar der Oscar fürs beste Makeup, das an den wandelnden Retro-Zottelteppich "Der Grinch" ging - und zwar gegen eine Konkurrenz wie "The Cell". Über Julia Roberts kann man streiten, über Musik sowieso, aber hier kann man nur noch den Kopf schütteln. 

 

Genug geärgert: Es gab auch einen Grund sich wirklich zu freuen, denn es ging wieder ein Oscar nach Deutschland! Der bis dato ziemlich unbekannte Münchner Florian Gallenberger bekommt die Trophäe für seinen Kurzfilm "Quiero ser...", der vom Schicksal zweier mexikanischer Straßenkinder handelt. 

Bleiben die Oscars, für die sich sowieso kaum jemand interessiert, schon alleine, weil die Preisträger selten bekannt sind: Für den besten animierten Kurzfilm erhielt Michael Dudok de Witt einen Oscar für "Father and Daughter". Zum besten Dok-Film wurde die britische Produktion "Into the arms of strangers: Stories of the Kindertransport" gekürt. Und Tracy Seretean erhielt ihn für den dokumentarischen Kurzfilm "Big Mama" – nach seinen Angaben den ersten Film, den er überhaupt gedreht hat. 

Werfen wir einen Blick auf die Liste, stellen wir fest, dass noch einige Oscars unerwähnt blieben. Zum besten Original-Drehbuch wurde "Almost Famous" von Cameron Crowe erhoben. Ein sicherlich sehenswerter Film, denn ein gutes Drehbuch gibt selten einen schlechten Film ab, und bei der Verleihung des Golden Globe machte der Film ebenfalls eine gute Figur. Bleibt noch die Rolle für die beste Nebendarstellerín, die nach Meinung der Academy in diesem Jahr Marcia Gay Harden für die Rolle der Ehefrau eines versoffenen Künstlers in "Pollock" verdient. Und für die beste Ton-Bearbeitung kommt natürlich ein U-Boot-Film wie gerufen, the winner is Jon Johnson für seine Arbeit in "U571". Verständlich, wo doch die Alternative "Space Cowboys" gewesen wäre, wo Spaceshuttles in bester Starwars-Tradition auch im Vakuum des Alls ordentlich Krach machen. 

 
 

Spaßig war sie natürlich auch, diese Oscar-Verleihung, vor allem aus einem Grund: Steve Martin moderierte, und somit dürfte die 73. Show als die witzigste in die Annalen der Filmgeschichte eingehen. Nicht die kleinste Zwischenmoderation bekam er ohne einen (fast immer gelungenen) Gag hin. Ziemlich fiese Seitenhiebe verteilte er dabei ständig an seine Kollegen unten im Publikum. Julia Roberts kriegte sich jedenfalls nicht mehr ein vor lachen, während Tom Hanks offenbar wirklich sauer war... oder das zumindest sehr überzeugend spielte. Im krassen Gegensatz dazu stand die flache Moderation des Pro-7-Teams. Susann "Was trug Katherine Zeta Jones da für ein tolles Schmuckstück?" Altwell und Steven "How do you like Germany?" Gätjen sollten auf jeden Fall im nächsten Jahr nominiert werden. In der Sparte "schlechteste ausländische Moderation einer Oscar-Verleihung". 

Absolut professionell brachte natürlich die amerikanische ABC die Show auf die TV-Schirme und hat sich dabei einen hübschen Vorspann ausgedacht: Im Jahr 2001 verneigt man sich vor Kubriks Klassiker "2001 - Odyssee im Weltraum" mit einer sehr schön animierten Kamerafahrt durch das Weltall, vorbei an den Stars vergangener Oscar-Verleihungen. Die Kamera dockt an der jüngst erst von Menschen bezogenen ISS an, und die dortigen Astronauten nehmen sich ein paar Minuten, um live aus dem Alpha-Modul ein Grußwort an die 800 Millionen Zuschauer zu richten. Kann man eine Oscar-Verleihung schöner verpacken? 

 

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